Ein kritischer Meilenstein ist erreicht: Am 31. März, um Punkt 12.32 Uhr, wurde die Gasturbine im Kraftwerk Malmö offi ziell gezündet. Die Gasturbine erreichte ihre Nenndrehzahl, die hierzu notwendigen Kraftwerksnebenanlagen gingen wie geplant in Betrieb. Nach rund zweieinhalb Jahren ist damit das Ende des ehrgeizigen Bauprojekts von Hitachi Power Europe in Sicht. Im August dieses Jahres soll die Gesamtanlage in den kommerziellen Betrieb gehen.
Das Gas- und Dampfkraftwerk (GuD) in der südschwedischen Hafenstadt Malmö ist eines der modernsten seiner Art: rund 440 Megawatt (MW) für Strom und 250 MW für Wärme beträgt die Kapazität, im kombinierten Betrieb wird die Energie des Brennstoffs Gas zu 89% genutzt – weltweit ein absoluter Spitzenwert. HPE und GE Energy hatten im Jahr 2006 den Auftrag zum Bau der Anlage erhalten (Investitions volumen: rund 220 Mio. Euro), wobei HPE für die Kraftwerksneben-anlagen, die Gesamtanlagenplanung, die Bauplanung und -ausführung, Montage und Inbetriebnahmeleitung zuständig ist und GE Energy den Power Train und die Leittechnik beisteuert.
Der Bau der GuD-Anlage stellte die Planer vor echte Herausforderungen. Zum einen mussten die Kernkomponenten –Gasturbinensatz, Dampfturbinensatz, Abhitzekessel – in das bestehende Gebäude eines alten Kohlekraftwerks aus den 50er Jahren integriert werden. Zum anderen war der Bauzustand des Gebäudes problematisch, wie die HPE-Mitarbeiter zu Beginn der Arbeiten im September 2006 feststellten. “Die Stützen, etwa in der Turbinenhalle, waren nicht tragfähig und mussten aufwendig saniert werden; außerdem waren hunderte Tonnen an zusätzlichen Stahlträgern notwendig, um Deckenelemente abzustützen”, erläutert Olaf Lipinski, technischer Projektleiter für die Anlage in Malmö. Ein weiteres Problem war die Nähe zum Hafen und der hohe Grundwasserpegel: Die Ingenieure mussten Spundwändesetzen lassen und Wasser abpumpen, damit die Fundament- und Pfahlarbeiten vorangingen. In der Spitze waren rund 70 Mitarbeiter im Hitachi Power Offi ce und rund 500 Arbeitskräfte einschließlich Bauleitungspersonal auf der Baustelle mit dem Bau des Gas- und Dampfkraftwerks befasst. Die Anlage sollte ursprünglich Anfang 2009 in den kommerziellen Betrieb gehen. “Durch die Schwierigkeiten hat sich aber der Zeitplan verschoben, jetzt wird die Gesamtanlage im August an E.ON Värmekraft Sverige AB übergeben”, sagt Björn Ahrendt, kaufmännischer Projektleiter. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt noch einiges zu tun: Im April wird der Gasturbinengenerator zum ersten Mal synchronisiert und geht damit ans Netz, Anfang Mai wird die Dampfturbine angestoßen. Wenn das Gas- und Dampfkraftwerk ab August in Betrieb ist, wird es nicht nur Strom und Fernwärme für die Hafenstadt Malmö liefern, sondern auch einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz leisten: Das Kraftwerk ersetzt alte, mit Kohle gefeuerte Anlagen in Skandinavien, die Kohlendioxidemissionensinken um rund eine Million Tonnen jährlich.